GlossarStand 04·2026

Glossar — Forschungspeptide.

Die wichtigsten Fachbegriffe der Peptid-Forschung — alphabetisch, kompakt erklärt.

Kurz erklärt

Die wichtigsten Begriffe rund um Forschungspeptide — alphabetisch sortiert. Jeder Begriff in maximal drei Sätzen erklärt.

AMG

AMG

Arzneimittelgesetz — die zentrale deutsche Norm für Zulassung, Vertrieb und Anwendung von Arzneimitteln. Bestimmt, welche Substanzen als Arzneimittel gelten und wie sie verkehrsfähig werden.

AMPK

AMPK

AMP-aktivierte Proteinkinase. Zentraler Energiesensor der Zelle. Wird durch Glukose-Mangel, Sport oder bestimmte Peptide (MOTS-c) aktiviert und fördert Fettverbrennung.

Aminosäure

Aminosäure

Kleinster Baustein eines Peptids. 20 proteinogene Aminosäuren bilden die natürlichen Bausteine. Beispiele: Glycin, Lysin, Histidin, Tryptophan.

Angiogenese

Angiogenese

Bildung neuer Blutgefäße aus bestehenden. Wichtig für Wundheilung und Tumor-Wachstum. Peptide wie BPC-157 und TB-500 fördern Angiogenese in präklinischen Modellen.

Antagonist

Antagonist

Substanz, die einen Rezeptor blockiert ohne ihn zu aktivieren. Gegenteil eines Agonisten. In der Pharmakologie wichtig zur Regulation überaktiver Signalwege.

BDNF

BDNF

Brain-Derived Neurotrophic Factor. Wachstumsfaktor im Gehirn, zentral für Lernen, Gedächtnis und neuronale Plastizität. Wird durch Sport, Schlaf und Substanzen wie Semax erhöht.

BfArM

BfArM

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Deutsche Behörde für Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln. Führt unter anderem die Anlagen zum BtMG.

Bioverfügbar

Bioverfügbarkeit

Anteil eines Wirkstoffs, der nach Verabreichung am Wirkort ankommt. Oral aufgenommen ist die Bioverfügbarkeit der meisten Peptide gering — sie werden im Magen abgebaut.

BtMG

BtMG

Betäubungsmittelgesetz. Reguliert Substanzen mit hohem Missbrauchspotenzial. Die meisten Forschungspeptide sind nicht im BtMG gelistet — Stand kann sich aber ändern.

COA

COA

Certificate of Analysis. Charge-spezifisches Dokument für Reinheit, Sequenz und mikrobielle Tests eines Forschungspeptids. Standard für seriöse Anbieter.

CRO

CRO

Contract Research Organization. Spezialisierte Auftragsforschungs-Unternehmen, die klinische Studien für Pharma-Firmen durchführen. Im Forschungspeptid-Kontext relevant für Phase-2/3-Studien.

Cardiolipin

Cardiolipin

Spezielles Membranlipid in der inneren Mitochondrienmembran. Wichtig für Atmungsketten-Funktion. SS-31 / Elamipretide bindet Cardiolipin und schützt es vor Oxidation.

Cortisol

Cortisol

Stresshormon der Nebennierenrinde. Wird durch ACTH stimuliert. Klassische GH-Sekretagoge wie Ghrelin lösen einen Cortisol-Anstieg aus — Ipamorelin und neuere Substanzen umgehen das.

DSGVO

DSGVO

Datenschutz-Grundverordnung. EU-weite Rechtsverordnung zum Schutz personenbezogener Daten. Relevant für Cookie-Banner, Tracking und Newsletter-Anmeldungen.

Drug

Drug

Englischer Begriff für Arzneimittel. In der Forschungs-Welt manchmal weiter gefasst — Substanzen mit pharmakologischer Aktivität, auch ohne Zulassung.

FDA

FDA

Food and Drug Administration. US-Behörde für Arzneimittel-Zulassung. Anders als EMA — eine FDA-Zulassung ersetzt keine EU-Zulassung.

GHRH

GHRH

Growth Hormone Releasing Hormone. Hypothalamus-Hormon, das die Wachstumshormon-Ausschüttung der Hypophyse stimuliert. Synthetische Mimetika: Sermorelin, CJC-1295.

GLP-1

GLP-1

Glucagon-like Peptide 1. Körpereigenes Hormon, das Insulin-Ausschüttung stimuliert und Sättigung fördert. Synthetische Analoga: Semaglutid (Ozempic), Liraglutid, Tirzepatid.

Ghrelin-Reze

Ghrelin-Rezeptor

GHS-R1a. Rezeptor für das körpereigene Hungerhormon Ghrelin. Wird auch von synthetischen GH-Sekretagogen wie Ipamorelin oder GHRP-2 aktiviert.

HPA-Achse

HPA-Achse

Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Hauptregulationssystem für Stress-Antwort. CRH → ACTH → Cortisol. Wird durch Peptide wie DSIP moduliert.

HPLC

HPLC

Hochleistungs-Flüssigchromatographie. Standardverfahren zur Reinheits-Bestimmung von Peptiden. Werte über 98 % gelten als Forschungs-Standard.

HWG

HWG

Heilmittelwerbegesetz. Reguliert Werbung für Arzneimittel und gesundheitsbezogene Produkte. Verbietet Wirkversprechen für nicht-zugelassene Substanzen.

Halbwertszei

Halbwertszeit

Zeit, bis sich die Wirkstoff-Konzentration im Blut halbiert hat. Bestimmt, wie oft eine Substanz verabreicht werden muss. Variiert von Minuten (Ipamorelin) bis Tagen (Semaglutid).

IGF-1

IGF-1

Insulin-like Growth Factor 1. Wachstumsfaktor, den die Leber als Antwort auf Wachstumshormon ausschüttet. Indikator für GH-Aktivität in Studien.

In vitro

In vitro

Experimente in Reagenzgläsern oder Zellkulturen — außerhalb eines lebenden Organismus. Liefert erste Mechanismus-Erkenntnisse, aber keine direkten Aussagen zu klinischer Wirkung.

In vivo

In vivo

Experimente in lebenden Organismen — meist Tiermodelle (Maus, Ratte) oder klinische Studien am Menschen. Höhere Aussagekraft als In-vitro-Studien.

Mimetikum

Mimetikum

Substanz, die die Wirkung eines körpereigenen Botenstoffs nachahmt — meist mit verlängerter Halbwertszeit oder höherer Selektivität. Beispiel: Semaglutid mimetisiert GLP-1.

Mitochondriu

Mitochondrium

Zell-Organell für Energieproduktion. Erzeugt ATP über die Atmungskette. Funktionsverlust bei Alterung und vielen Erkrankungen — Ziel von Substanzen wie SS-31 und MOTS-c.

NAD+

Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid. Coenzym für über 500 Stoffwechselreaktionen. Sinkt mit dem Alter. Vorläufer NMN/NR werden zur Anhebung untersucht.

Pentadecapep

Pentadecapeptid

15-Aminosäure-Peptid. Beispiel: BPC-157 (GEPPPGKPADDAGLV). Im mittleren Größenbereich der Forschungspeptide.

Pentapeptid

Pentapeptid

5-Aminosäure-Peptid. Beispiel: Ipamorelin (Aib-His-D-2-Nal-D-Phe-Lys-NH2). Klein genug für effiziente Synthese, gross genug für spezifische Rezeptor-Bindung.

Phase 1 / 2

Phase 1 / 2 / 3

Klinische Studienphasen am Menschen. Phase 1: Sicherheit, kleine Stichprobe (20–100). Phase 2: Wirksamkeit, mittlere Stichprobe (100–500). Phase 3: pivotale Bestätigung, große Stichprobe (>1.000).

Präklinisch

Präklinisch

Studien vor klinischen Studien am Menschen. In vitro (Zellkultur) und in vivo (Tiermodelle). Liefert Mechanismus- und erste Sicherheits-Daten.

PubMed

PubMed

Größte öffentliche Datenbank für biomedizinische Literatur, betrieben vom National Center for Biotechnology Information (NCBI / NIH USA). Standard-Quelle für Studienrecherche.

Receptor

Receptor

Rezeptor. Protein an oder in der Zelle, an das Botenstoffe binden und eine Signalkaskade auslösen. Peptide binden meist an Oberflächenrezeptoren (z. B. GHS-R1a für Ipamorelin).

Replikation

Replikation

Wiederholung einer Studie durch eine unabhängige Forschungsgruppe. Voraussetzung für robuste wissenschaftliche Aussagen. Fehlende Replikation schwächt Befunde.

SPPS

SPPS

Solid Phase Peptide Synthesis. Standardverfahren zur chemischen Peptid-Synthese. Aminosäuren werden Schritt für Schritt an einem Trägerharz aufgebaut. Nobelpreis 1984 (Merrifield).

Sirtuine

Sirtuine

Familie von Enzymen mit Bezug zu Lebensspanne und Stressantwort. Aktivierung durch NAD+, Resveratrol oder Kalorien-Restriktion. SIRT1, SIRT3 sind besonders gut erforscht.

Subkutan

Subkutan

Unter die Haut injiziert. In Tier- und klinischen Studien meist verbreitet, weil einfacher als intravenös und Magen-Verdau umgehend.

TLR

TLR

Toll-like-Rezeptoren. Teil des angeborenen Immunsystems. Erkennen Pathogen-Strukturen. Thymosin α-1 aktiviert TLR-2 und TLR-9 auf dendritischen Zellen.

Tachyphylaxi

Tachyphylaxie

Schnell nachlassende Wirkung trotz fortgesetzter Verabreichung. Tritt bei manchen Peptiden (z. B. GHS-Klasse) auf — der Körper reguliert Rezeptoren herunter.

Tripeptid

Tripeptid

3-Aminosäure-Peptid. Beispiele: GHK-Cu (Gly-His-Lys + Cu²⁺), KPV (Lys-Pro-Val). Sehr klein, oft mit spezifischer Bindungs-Funktion.

VEGF

VEGF

Vascular Endothelial Growth Factor. Wachstumsfaktor für Angiogenese (Bildung neuer Blutgefäße). BPC-157 aktiviert VEGFR2 in präklinischen Studien.

WADA

WADA

World Anti-Doping Agency. Welt-Anti-Doping-Agentur. Führt Liste verbotener Substanzen im Sport. TB-500 und mehrere andere Forschungspeptide sind dort gelistet.

hGH

hGH

Human Growth Hormone. Körpereigenes Wachstumshormon, 191 Aminosäuren lang. Wird in der Hypophyse gebildet, durch GH-Sekretagoge stimuliert, durch Somatostatin gehemmt.